Erste Erkenntnisse zur Landschaft der Nachbarschaftsplattformen in Deutschland

In unserer online-Umfrage haben wir Nachbarschaften, die (auch) im Netz miteinander kommunizieren, befragt und auf einer Deutschlandkarte verortet. Parallel dazu erforschten wir die aktuelle Landschaft der digitalen Nachbarschaftsplattformen in Deutschland. Durch Recherchen und Interviews haben wir zahlreiche Erkenntnisse gewonnen:

Das Angebot an digitalen Nachbarschaftsplattformen ist vielfältig. Es reicht vom selbst organisierten Stadtteilforum bis zur professionellen, bundesweiten Smartphone-App.

Genauso unterschiedlich sind die hinter den Angeboten stehenden Organisatoren. Junge Unternehmer haben ebenso wie die Politik und zivilgesellschaftliche Initiativen das Thema für sich entdeckt und eigene Formate entwickelt.

Digitale Vernetzung mit Nachbarn ist inzwischen weit verbreitet. nebenan.de ist mit über 2.000 aktiven Nachbarschaften die größte und am weitesten verbreitetste Plattform in Deutschland. Registrierte Nutzer können dort nach Bestätigung ihrer Adresse mit ihren Nachbarn innerhalb eines eingegrenzten Gebietes kommunizieren. Eine andere große überregionale Plattform ist Nachbarschaft.net mit über 200.000 angemeldeten Nutzern. Hinzu kommen mehrere regional und lokal verfügbare Angebote. Zum Beispiel die Plattform „Deine Straße“ aus Stuttgart. Seitdem sie im Januar online gegangen ist, haben sich schon über 1800 Nachbar/innen angemeldet. Genaue Angaben zur Anzahl der Personen, die in Deutschland digitale Nachbarschaftsplattformen nutzen, liegen allerdings nicht vor. Um den Datenschutz zu beachten und aus Wettbewerbsdruck möchten nicht alle Betreiber von Nachbarschaftsplattformen ihre Mitgliedszahlen veröffentlichen.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Plattformen in Nachbarschaften mit unterschiedlichster Bevölkerungsstruktur beliebt sind. Das deutet darauf hin, dass sie von verschiedenen sozialen Gruppen und Milieus genutzt werden.

Der Begriff „Nachbarschaftsplattform“ ist noch nicht eindeutig besetzt. Es gibt verschiedene Mischformen von Nachbarschaftsnetzwerken, die teils direkt vor Ort und teils im Netz aktiv sind. Weil manche Gruppen sich stärker auf die Arbeit vor Ort konzentrieren, verstehen sie sich nicht unbedingt selbst als digitale Nachbarschaftsplattform. Außerdem nutzen viele Nachbarschaftsinitiativen die bereits bestehende digitale Infrastruktur, zum Beispiel Facebook, für ihre Kommunikation. Dies ist für Projekte, die wenig eigene Mittel haben und auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen sind, oft am praktischsten.

Nachbarschaftsplattformen haben das Ziel, Menschen in der Nachbarschaft besser zu vernetzen. Sie möchten mit technischen Werkzeugen dafür sorgen, dass Nachbarn sich auch im echten Leben begegnen. So sollen Gemeinschaften gestärkt und die Anonymität in Großstädten verringert werden.

Während digitale Nachbarschaftsplattformen bislang vor allem in Großstädten beliebt sind, werden auch Angebote für den ländlichen Raum entwickelt und erprobt. Sie möchten die Lebensqualität in dünn besiedelten Gegenden verbessern, indem wichtige Informationen und Neuigkeiten auf einer Plattform gebündelt werden.

Manche Plattformen spezialisieren sich auch auf die Bedürfnisse von bestimmten Gruppen. Zum Beispiel auf Senioren, die Hilfe im Alltag benötigen. Oder auf neu zugezogene Menschen, die noch nicht viele Kontakte vor Ort haben.